Hintergrund und Zielsetzung
Kälte- und Klimatechnik machen bereits rund 10 % des weltweiten Stromverbrauchs aus (IEA, 2023). Mit wachsender Bevölkerung, steigendem Wohlstand, zunehmender Urbanisierung und höheren Temperaturen steigt die Nachfrage nach Raumkühlung rasant.
Der zunehmende Einsatz von Kälte- und Klimatechnik führt aus zwei Gründen zu steigenden Treibhausgasemissionen: Erstens wird der dafür benötigte Strom überwiegend durch die Verbrennung fossiler Energieträger erzeugt (indirekte Emissionen). Zweitens verwenden die meisten Geräte fluorierte Gase (F-Gase) wie FCKW oder FKW als Kältemittel. Wenn diese Gase entweichen, verursachen sie erhebliche zusätzliche Emissionen (direkte Emissionen), da viele von ihnen mehrere hundert bis tausend Mal klimaschädlicher sind als CO₂.
Innerhalb des Kühlsektors stellt die Klimatisierung den größten Teilsektor dar und verursacht mehr als zwei Drittel der Emissionen. Weltweit sind derzeit rund zwei Milliarden Klimaanlagen in Betrieb, wodurch Raumkühlung zu einem der wichtigsten Treiber des steigenden Strombedarfs geworden ist (UNDP, 2023).
Eine nachhaltige Transformation des Sektors sowie die Förderung klimafreundlicher und energieeffizienter Alternativen sind daher notwendig. Umweltfreundliche Klimaanlagen („Green ACs“) mit dem natürlichen Kältemittel Propan (R290) und hoher Energieeffizienz sind international verfügbar, ihr Marktanteil ist jedoch bislang gering.
Ziel von CooPSA ist es, ein Klimaschutzprogramm zur Einführung energieeffizienter und F-gasfreier Klimaanlagen in der Region der Entwicklungsgemeinschaft des Südlichen Afrikas (SADC) vorzubereiten und umzusetzen.
Herausforderungen und Umsetzung
Die Zahl der Klimaanlagen in der SADC-Region wird von derzeit 5,4 Millionen auf rund 17,7 Millionen bis zum Jahr 2030 steigen (GFA, 2018). Gleichzeitig sehen die Klima- und Energiepläne der SADC-Mitgliedstaaten Emissionsminderungen und Effizienzsteigerungen im Kältesektor vor. Hohe Anschaffungskosten sowie die bislang begrenzte Verfügbarkeit von Klimaanlagen mit natürlichen Kältemitteln stellen derzeit zentrale Hindernisse für eine nachhaltige Transformation des Sektors dar.
Das Cooling Programm unterstützt die Umsetzung der Ziele des Pariser Abkommens sowie des Montrealer Protokolls einschließlich seines Kigali-Zusatzes.
Im Mittelpunkt steht die Markteinführung von mehr als 10.000 energieeffizienten und F-gasfreien „Green ACs“, die das natürliche Kältemittel R290 (Propan) verwenden. Erste Geräte sind bereits im Jahr 2025 zu Trainings- und Demonstrationszwecken in den Partnerländern eingetroffen.
Da diese zukunftsfähigen Geräte derzeit noch teurer sind als konventionelle, klimaschädlichere Modelle, erhalten Importeure und Händler einen finanziellen Zuschuss, damit sie die Geräte zu wettbewerbsfähigen Preisen anbieten können. Nutzerinnen und Nutzer profitieren zusätzlich von erheblichen Einsparungen bei den Energiekosten über die etwa zehnjährige Lebensdauer der Geräte.
Jede „Green AC“ kann bis zu 24,1 Tonnen CO₂-Äquivalente an direkten und indirekten Emissionen vermeiden. Dies entspricht etwa sieben Hin- und Rückflügen zwischen Südafrika und Deutschland. Diese Emissionsminderungen sollen berechnet, in Form von CO2-Zertifikaten erfasst und im Rahmen von Artikel 6 des Pariser Abkommens vermarktet werden. Die erzielten Einnahmen können von den beteiligten Ländern genutzt werden, um die Zuschüsse langfristig weiter zu finanzieren und so die Nachhaltigkeit des Programms sicherzustellen.
Für den Aufbau eines solchen Kohlenstofffinanzierungsmechanismus sind jedoch mehrere Schritte erforderlich. CooPSA unterstützt daher die Partnerländer beim Aufbau nationaler Rahmenbedingungen für Kohlenstoffmärkte. Parallel dazu wurde ein detailliertes Mitigation Action Design Document (MADD) erarbeitet, das derzeit von TÜV validiert wird. Die Ergebnisse werden für Mitte 2026 erwartet.
Darüber hinaus unterstützt das Programm die Einführung von Mindestenergieeffizienzstandards (MEPS) sowie Energieeffizienzlabels für Klimaanlagen. Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist die Ausbildung von bis zu hundert Technikerinnen und Technikern pro Partnerland, um eine fachgerechte Installation und Wartung der „Green ACs“ sicherzustellen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Förderung von Frauen, die im Kühlsektor bislang stark unterrepräsentiert sind.
Erwartete Ergebnisse und Skalierung
Die erfolgreiche Umsetzung des durch die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) finanzierten Programms in den vier Partnerländern Südafrika, Namibia, Botswana und Eswatini würde erhebliche Zusatznutzen schaffen, etwa die Schaffung neuer qualifizierter Arbeitsplätze. Zudem würde die Marktdurchdringung natürlicher Kältemittel in Entwicklungs- und Schwellenländern erleichtert.
Die praktische Anwendung kooperativer Ansätze nach Artikel 6.2 des Pariser Abkommens kann darüber hinaus zeigen, wie marktbasierten Klimafinanzierungsinstrumente dazu beitragen können, die Umsetzung und Ambition der national festgelegten Klimaziele (NDCs) zu erhöhen.
Das Cooling Programm besitzt ein hohes Replikationspotenzial in nahezu allen tropischen Ländern. Bei zusätzlicher Finanzierung könnte das Programm auf weitere Regionen ausgeweitet werden, etwa auf ausgewählte Länder in Südostasien oder in Süd- und Mittelamerika sowie in der Karibik.
Darüber hinaus könnten künftig auch weitere Teilsektoren der Kälte- und Klimatechnik adressiert werden, etwa die gewerbliche oder industrielle Kälte sowie Transportkälte. Langfristig könnte daraus ein globales Kohlenstoffbepreisungssystem entstehen, ähnlich dem Programm der Nitric Acid Climate Action Group (NACAG).