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Der freiwillige Markt

Neben dem sogenannten Compliance-Markt, also dem Markt, dessen Nachfrage sich in letzter Instanz aus den verbindlichen Klimaschutzverpflichtungen der Industrieländer speist, hat sich über die vergangenen Jahre ein Markt für die freiwillige Kompensation von Treibhausgasemissionen entwickelt. Dieser Markt ermöglicht es Unternehmen und Einzelpersonen, freiwillig ihren CO2-Fußabdruck zu kompensieren. Der deutsche Anbieter atmosfair ermöglicht es Privatkunden zum Beispiel, die Treibhausgasemissionen von privaten oder dienstlichen Flugreisen auszugleichen.

Die Käufer müssen dafür allerdings nicht unbedingt auf Zertifikate zurückgreifen, die den internationalen Regeln der Vereinten Nationen entsprechen. Eine Reihe von privaten Initiativen hat hierauf reagiert und eigene Zertifizierungsmechanismen entwickelt. Vorreiter sind hierbei etwa der Verified Carbon Standard (VCS) oder der Gold Standard. Diese Standards verfügen über jeweils eigene Vorgaben zur Ausgestaltung und Umsetzung der Klimaschutzprojekte. So überprüfen einige Standards ausschließlich die Klimawirkung der zertifizierten Projekte, während andere einen breiteren Ansatz verfolgen, der auch soziale und ökologische Auswirkungen erfasst. Auch Kombinationen verschiedener Standards sind möglich und werden in der Praxis häufig angewendet. Zertifikate aus Projekten mit besonders hohem sozialen und ökologischen Zusatznutzen sind dabei für den freiwilligen Markt besonders attraktiv.

Seit Entstehung dieses sogenannten freiwilligen Kohlenstoffmarktes wurden über 1,2 Milliarden Tonnen CO2e transferiert. Dies entspricht den durchschnittlichen jährlichen Emissionen von Japan. Nachdem die freiwillige Nachfrage nach Zertifikaten zwischenzeitlich zurückgegangen war, erreichte sie im Jahr 2018 mit einem Volumen von knapp 100 MtCO2e ihren bisherigen Höchststand. Die Käufer sind insbesondere Unternehmen. Hinter diesem Engagement steckt häufig der Wunsch, der eigenen unternehmerischen Gesellschaftsverantwortung (Corporate Social Responsibility – CSR) nachzukommen und sich als umweltbewusstes Unternehmen zu präsentieren. Auch deutsche Unternehmen wie Puma, die Deutsche Post und die Allianz nutzen solche freiwilligen Zertifikate. Die Bundesregierung nutzt freiwillig CO2-Zertifikate, um die Treibhausgasemissionen der Dienstreisen der Bundesregierung und der Mitarbeiter in den Ministerien zu kompensieren. Die Bundesregierung greift dabei allerdings auf Zertifikate aus dem CDM zurück. Eine klare Trennung zwischen freiwilligem und verpflichtenden Markt fällt zunehmend schwerer. So ist es in mehreren Staaten mittlerweile möglich, Zertifikate von privaten Zertifizierungssystemen zu nutzen, um Verpflichtungen öffentlicher Politikinstrumenten nachzukommen, beispielsweise in Kolumbien. Und auch für das geplante Ausgleichsmechanismus der internationalen Luftfahrt CORSIA ist die Nutzung von Zertifikaten des freiwilligen Markts im Gespräch.

Insgesamt ist somit ein deutlicher Anstieg der Nachfrage nach Zertifikaten des freiwilligen Markts zu erwarten, nicht zuletzt aufgrund des wachsenden Bewusstseins für den Klimawandel. Trotz der gesteigerten Nachfrage und potentieller neuer Nutzungsmöglichkeiten sieht sich der freiwillige Kohlenstoffmarkt mit neuen Herausforderungen konfrontiert: Ausgleichszertifikate wurden in der Vergangenheit meist in Wirtschaftsbereichen erzeugt, die von keinem Minderungsziel erfasst waren. Durch die globale Reichweite des Paris Agreement schwindet dieser Anteil nun und es wird für die Anbieter von Ausgleichszertifikaten zunehmend schwieriger, diese zur Verfügung zu stellen. Angesichts dieser Herausforderungen sind derzeit verschiedene Modelle im Gespräch, wie sich der freiwillige Markt weiterentwickeln muss, um den verpflichtenden Markt auch zukünftig ergänzen zu können.

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