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Standardisierte Baselines: Perspektiven und Nutzbarkeit für Entwicklungsländer

Solar panels in front of rural buildings
(Photo: Picture Alliance/Bildagentur-online)

Hintergrund

Mit der Initiierung des Forschungsvorhabens Implikationen von standardisierten CDM-Baselines auf LDCs und ihre Nutzung in nationalen Messung, Berichterstattung und Verifizierungs(MRV)-Systemen wollte das UBA die Weiterentwicklung des regulativen Rahmens für standardisierte Baselines unterstützen und deren Nutzen für LDCs aufzeigen. Die Bearbeitung wurde einem Konsortium, bestehend aus dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie und der GFA Consulting Group, übertragen. Das Forschungsvorhaben stellte dazu zwei Fragen: Was können standardisierte Baselines leisten, um den besonderen Herausforderungen in LDCs gerecht zu werden? Und wie muss das Regelwerk für standardisierte Baselines weiterentwickelt werden, damit die Potenziale in LDCs optimal erschlossen werden können?

Vorgehen

Um sich diesen Fragen zu nähern, wurden auf zwei unterschiedlichen, sich ergänzenden Wegen Erfahrungen gesammelt und analysiert. In einem ersten Schritt wurde anhand eines Fallbeispiels untersucht, inwieweit standardisierte Baselines es erlauben, die existierende CDM-Methodik an die Umstände eines Gastgeberlandes anzupassen. In einem zweiten Schritt wurde eine leitfadengestützte Expertenumfrage durchgeführt. Befragt wurden Experten aus verschiedenen Bereichen: Vertreter der zuständigen Behörden in den Gastgeberländern (DNA, Designated National Authorities), die bereits standardisierte Baselines eingereicht haben; Berater, die an der Erstellung von standardisierten Baselines mitgewirkt haben; Vertreter von im CDM zugelassenen Auditoren (DOE, Designated Operational Entities) und Wissenschaftler, die sich mit dem Thema beschäftigt haben.

Ergebnisse

Die Machbarkeitsstudie hat gezeigt, dass die Erstellung einer standardisierten Baseline für Elektrifizierung von ländlichen Gebieten unter Berücksichtigung von bisher nicht erfüllten Grundbedürfnissen nicht nur technisch möglich ist, sondern auch trotz konservativer Annahmen zu einem höheren Niveau der Basisemissionen führen kann. Damit erhöht sich für CDM-Projekte oder Programmes of Activities (PoAs) die Rendite in Form von CERs und entsprechend die finanzielle Attraktivität, ohne dass dadurch die ökologische Integrität des CDM beeinträchtigt würde. Die Studie hat auch gezeigt, dass die Qualitätsprüfung der Datengrundlage eine zentrale Herausforderung ist. Die UN-Regularien stellen die zuständigen DNAs vor eine große Hürde. Ohne Unterstützung aus Industrieländern scheint fraglich, ob die DNAs angesichts fehlender finanzieller und personeller Kapazitäten die Entwicklung von standardisierten Baselines tatsächlich vorantreiben können; dies gilt insbesondere für LDCs. Was Synergien zwischen standardisierten Baselines und nationalen Systemen zur Messung, Berichterstattung und Verifizierung anbelangt, ergibt sich ein gemischtes Bild. Insbesondere wenn standardisierte Baselines auf Grundlage von nicht gedeckten Grundbedürfnissen entwickelt werden oder Emissionstrends zugrunde gelegt werden, sind die Ergebnisse nicht uneingeschränkt und unmittelbar für nationale MRV-Systeme nutzbar. Umgekehrt könnte die Entwicklung von standardisierten Baselines den Aufbau personeller Kapazitäten fördern und das lokale Wissen zur Erhebung und Aggregation von Emissionsdaten unterstützen. Zu Synergien führt dies insbesondere dann, wenn ein Wissenstransfer von der Entwicklung von standardisierten Baselines zur Erhebung der nationalen Treibhausgasinventare gewährleistet ist.
Die im Rahmen des Projektes durchgeführten Experteninterviews haben gezeigt, dass das Rahmenwerk für standardisierte Baselines den Anspruch auf (nahezu) universale Anwendbarkeit bisher nicht erfüllt. Die Interviewpartner hoben hervor, dass der gewählte Ansatz nicht auf die Bedürfnisse aller Sektoren passt. Insbesondere dort, wo Emissionen innerhalb von komplexen Prozessen auf verschiedene Art und Weise eingespart werden können – wie beispielsweise im Zementsektor –, ist es schwierig, einzelne Technologien klar voneinander abzugrenzen. Auf Basis der Experteninterviews wurden deshalb Empfehlungen zur Weiterentwicklung des Rahmenwerks für standardisierte Baselines entwickelt. Die Empfehlungen sind in englischer Sprache als Diskussionspapier bei der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt) erschienen (siehe weiterführende Informationen).

Wirkung

In einem Folgeprojekt wurden die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie umgesetzt: Gemeinsam mit der DNA Äthiopiens wurde eine standardisierte Baseline für Projekte zur Elektrifizierung ländlicher Gebiete entwickelt. Die Ergebnisse des Forschungsvorhabens sollten zudem weiterverbreitet werden. Zu diesem Zweck wurde unter anderem das oben genannte Diskussionspapier veröffentlicht und allen Mitgliedern des CDM-Exekutivrats zugesandt. Die zentralen Ergebnisse wurden darüber hinaus im Rahmen des 15. Globalen DNA-Forums vor rund 80 DNA-Vertretern vorgetragen und das Forscherteam war in einen vom UNFCCC-Sekretariat durchgeführten Stakeholder-Dialog zur Verbesserung des Standardized-Baseline(SB)-Rahmenwerks eingebunden.

Offizielle Projektbezeichnung

Recommendations on the Advancement of the CDMStandardized Baselines Framework

Umsetzung

Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH

Weitere Beteiligte

GFA Consulting

Laufzeit

2013 - 2014

Kontakt

Christof Arens
Email: christof.arens@wupperinst.org

Weiterführende Informationen

Recommendations on the Advancement of the CDM Standardized Baselines Framework