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Industriegasprojekte in CDM und JI: Wie geht es weiter in Zeiten der Krise?

City skyline at night
(Photo: BASF SE)

Hintergrund

Anders als bei vielen anderen Arten von CDM-Projekten entstehen bei der Vermeidung von Industriegasemissionen fortwährend Kosten. Gleichzeitig erzielen sie aus der Vermeidungsaktivität keine anderen Einkünfte als diejenigen aus dem Verkauf von Emissionsminderungszertifikaten. Wenn diese Einkünfte in Zeiten des zusammengebrochenen Kohlenstoffmarktes ausbleiben, drohen die Minderungsaktivitäten eingestellt zu werden. Der Schaden für das Klima wäre gewaltig. Vor diesem Hintergrund förderte das BMUB das Projekt „Optionen für die Fortführung der Treibhausgasminderungen in CDM- und JI-Industriegasprojekten“, das sich auf die drei Projekttypen mit dem größten THG-Vermeidungspotential konzentrierte: HFC-23-Abgabe aus der HFC-22-Produktion, N2O-Abgabe aus der Adipinsäureproduktion und N2O-Abgabe aus der Salpetersäureproduktion. 

Vorgehensweise und Ergebnisse

Zunächst wurden die wichtigsten Projekttypen der Mechanismen CDM und JI daraufhin untersucht, ob aufgrund der niedrigen Preise für CDM-Emissionszertifikate und JI-Emissionszertifikate (ERU, Emission Reduction Units) die unmittelbare Einstellung der Minderungsaktivität droht. Dieser Frage wurde mithilfe eines sequenziellen Entscheidungsschemas nachgegangen. Im Kern wurde dabei analysiert, ob die Vermeidungsaktivität ohnehin vorgeschrieben ist, ob neben den Einkünften aus Zertifikaten noch andere Einkommensquellen existieren und ob diese Einkünfte die Kosten der Minderungsaktivität decken konnten. Das Ergebnis der Analyse zeigt, dass die meisten Projektarten nicht unmittelbar gefährdet sind. Ein hohes Risiko besteht jedoch vor allem bei den Industriegasprojekten.

In einem zweiten Schritt wurden anschließend das Emissionsreduktionspotenzial und das Potenzial zur Generierung von Emissionszertifikaten der Industriegasprojekte mithilfe von Modellrechnungen für den Zeitraum von 2013 bis 2030 ermittelt. Etwa die Hälfte der errechneten Emissionsreduktionen könnten durch Projekte zur Vermeidung von HFKW-23 erreicht werden. Rund ein Drittel des Potenzials entfällt auf N2O-Emissionen aus der Adipinsäureproduktion und der Rest auf N2O aus der Salpetersäureproduktion. Insgesamt könnten im Gesamtzeitraum rund 7,5 Gigatonnen Kohlenstoffdioxid-Äquivalente (CO2e) eingespart werden. Außerdem könnten dadurch 3 bis 5 Prozent der bestehenden Lücke zwischen notwendigen und versprochenen Emissionsminderungen geschlossen werden, um die Erderwärmung auf unter 2 Grad Celsius zu begrenzen.

Empfehlungen

Die Autoren sprechen sich klar dafür aus, eine langfristige Lösung anzustreben, die auch die Emissionen von Neuanlagen adressiert, etwa durch Regulierung oder Einbeziehung in nationale Emissionshandelssysteme. Die Industrieländer könnten darüber hinaus kurzfristig den Fortbestand und gegebenenfalls die Ausdehnung von Projekten zur Minderung von Industriegasemissionen unterstützen. Für HFKW-23 und Adipinsäure-Projekte sollten „perverse Anreize“ vermieden und die Minderung auf Basis der Vermeidungskosten finanziert werden. Hierfür könnte ein Fonds aufgelegt oder Zertifikate auf Basis der Vermeidungskosten gekauft und ggf. stillgelegt werden. Da HFKW-23 ein Nebenprodukt in der Herstellung einer Substanz ist, die die Ozonschicht schädigt, könnte hier ein Weg über den multilateralen Fonds des Montrealer Protokolls über Stoffe, die zu einem Abbau der Ozonschicht führen vielversprechend sein. Im Gegensatz dazu empfehlen die Autoren, für die Verifizierung von vermiedenen N2O¬ Emissionen aus der Salpetersäureproduktion auch zukünftig die Institutionen und Methoden des CDM zu nutzen.

Offizielle Projektbezeichnung

Options for continuing GHG abatement from CDM and JI industrial gas projects

Umsetzung

Lambert Schneider, Martin Cames (Öko-Insitut e.V)

Weitere Beteiligte

Ecofys Germany GmbH

Laufzeit

2013 - 2014

Kontakt

Lambert Schneider, SEI-Associate
Email: lambertschneider@googlemail.com

Weiterführende Informationen

Options for continuing GHG abatement from CDM and JI industrial gas projects