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Der CDM und entstehende Kompensationssysteme: Möglichkeiten der Vereinbarkeit?

Hintergrund

Der globale Kohlenstoffmarkt hat sich im Laufe der letzten Jahre immer mehr zersplittert, da verschiedene Länder bzw. Regionalsysteme entschieden haben, neue alternative Mechanismen zu entwickeln und vom einstigen Standard unter dem Clean Development Mechanism abzuweichen. Zu den bekannten Beispielen gehören die Australian Carbon Farming Initiative, die Offset-Protokolle für das Emissionshandelssystem, die in Kalifornien und Quebec implementiert werden, Japans Joint Crediting Mechanism, die für den chinesischen Markt entwickelten Chinese Certified Emission Reductions und vielleicht auch die Offset-Bestimmungen im geplanten Emissionshandelssystem in Südkorea. Die Entwicklung neuer Kohlenstoffstandards außerhalb des vorhandenen multilateralen Rahmens kann zu einer verstärkten Zersplitterung des globalen Kohlenstoffmarktes führen und stellt für die zukünftige Verbindung verschiedener Emissionshandelssysteme eine Herausforderung dar. Die Gestaltung neuer Kompensationssysteme kann als Reaktion auf die wahrgenommenen Schwachstellen des CDM gewertet werden. Die Beurteilung seiner Merkmale könnte deshalb zu Diskussionen über die Vereinbarkeit des CDM mit anderen Instrumenten in internationalen Kohlenstoffmärkten beitragen.

Vorgehensweise

Das Forschungs- und Dialogprojekt Linking Carbon Markets through the CDM and Other Offsetting Mechanisms hatte zum Ziel, die klimapolitischen Rahmenbedingungen in Australien, Kalifornien, Japan und Südkorea zu analysieren, wobei der Schwerpunkt auf deren Kompensationspolitik lag. Vorläufige Ergebnisse wurden beim CDM Roundtable im April 2013 sowie bei einem Workshop und einer Veranstaltung im Rahmen der Tagung der UNFCCC-Nebenorgane im Mai 2013 präsentiert.

Ergebnisse

Die Analyse ergab, dass eine Reihe unterschiedlicher Motivationen die weitere Fragmentierung des Kohlenstoffmarktes vorantreibt. Einerseits wurde Kritik am CDM aus Australien, Kalifornien und Japan laut, insbesondere hinsichtlich des Ansatzes des CDM zur Bestimmung der Zusätzlichkeit für jedes einzelne Projekt. Andererseits hat jeder Zuständigkeitsbereich seine ganz eigenen Gründe für die Abrückung vom CDM, die in jedem Fall von lokalen Bedingungen und politischen Kontexten beeinflusst werden. In Kalifornien ist das anfängliche Interesse am CDM verloren gegangen, nachdem ein neuer Gouverneur gewählt worden war. Die Verwaltung musste aufgrund der sehr aktiven Umweltbewegung vor Ort behutsam vorgehen, was die Emissionshandels- und Kompensationspolitik des Staates ständig vor neue Herausforderungen stellte. Im Fall Japan sollte man die Problematik vielleicht in einem breiteren Kontext sehen, steht Japan dem Kyoto-Abkommen doch generell ablehnend gegenüber. Südkorea legt seinen Schwerpunkt auf die Emissionsreduktionen im eigenen Land und hat den Handel mit internationalen Zertifikaten bis mindestens 2020 ganz ausgeschlossen.
In Bezug auf ihre eigenen Kompensationssysteme haben Australien, Kalifornien und Japan allesamt die vom CDM vertretene Überprüfung der Zusätzlichkeit von Projekt zu Projekt abgelehnt und favorisieren stattdessen eine Vorabbewertung für ganze Projektbündel. Sie erachten diesen Ansatz nicht nur als effizienter und kostengünstiger, sondern auch als „objektiver“, weswegen von einem höheren Maß an ökologischer Integrität ausgegangen wird.

Ausblick

Schaut man sich die Systeme genauer an, wird deutlich, dass keine Politik in einem Vakuum entwickelt wurde, sondern dass deren Ansätze und Methoden durchaus stark an den CDM angelehnt sind. Der CDM diente als eine Art Open-Source-Material, das dann abgeändert wurde, um den speziellen Bedürfnissen des jeweiligen Zuständigkeitsbereichs zu entsprechen. Auch der CDM hat sich (langsam) in Richtung eines allgemeinen Trends zu stärker standardisierten Baselines bewegt, die auch zur Demonstration von Zusätzlichkeit dienen können. Obwohl die verschiedenen Länder bzw. Regionen unterschiedliche Argumentationen für die Verfolgung ihrer jeweiligen Kompensationspolitik verlauten ließen, so kann doch die verstärkte Standardisierung die Akzeptanz für das CDM-Instrumentarium hinsichtlich der untersuchten und zukünftigen Systeme verbessern.
Spielraum für eine weitere Rolle des CDM könnte deshalb insbesondere in seiner zentralen Funktion für die Methodenentwicklung liegen. Wenn die Bemühungen zur Entwicklung standardisierter Baselines und Kriterien für die automatische Zusätzlichkeit ernsthaft verfolgt werden, besteht durchaus die Möglichkeit, dass der CDM auch weiterhin die Rolle als De-facto-Standardgeber behält und somit zur Geschlossenheit im internationalen Kohlenstoffmarkt beiträgt.
Standardisierung allein ist jedoch kein Patentrezept. Obwohl eine verstärkte Standardisierung zu insgesamt niedrigeren Transaktionskosten in einem einzelnen System führen könnte, verschieben sich die Kosten sowohl zeitlich als auch örtlich. Das Gros der Transaktionskosten fällt nun im Vorfeld an und verlagert sich von den Projektteilnehmern zu denjenigen, die die standardisierten Metriken entwickeln. Individuelle Einsparungen bei den Transaktionskosten könnten eingebüßt werden, wenn die ganze Welt von konkurrierenden Standards übersät ist. Eine Möglichkeit, diese Bemühungen zu finanzieren, könnte darin liegen, die umfangreichen Mittel der Klimafinanzierung zu nutzen, die von den Industrieländern in Aussicht gestellt wurden. Der CDM ist ein etablierter globaler Standard, mit dem messbare, berichtbare und verifizierbare Ergebnisse aus dem Bereich Klimafinanzierung erhalten werden können. Anstatt
CDM-Zertifikate zur Erreichung der Emissionsziele zu nutzen, könnten Regierungen sich entschließen, die Ausgaben für CDM-Zertifikate zu saldieren und gegen ihre Finanzierungszusagen aufzurechnen. Die Zertifikate würden dann ungenutzt stillgelegt und würden somit einen Nettobeitrag zum Klimaschutz leisten.

Offizielle Projektbezeichnung

The Clean Development Mechanism and Emerging Offset Schemes: Options for Reconciliation?

Umsetzung

adelphi

Weitere Beteiligte

Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH

Laufzeit

2011 - 2013

Kontakt

Dennis Tänzler
Email: taenzler@adelphi.de

Weiterführende Informationen

The Clean Development Mechanism and Emerging Offset Schemes: Options for Reconciliation?