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Ist Lateinamerika bereit für Artikel 6?

Side Event diskutiert Klimaverhandlungen zu Artikel 6, die Readiness der Länder und Pilotprogramme

(Photo: Marlen Goener / GIZ)
(Photo: Marlen Goener / GIZ)

August 2018 - Im Rahmen des Latin American and Caribbean Carbon Forum (21. – 23. August) hat die GIZ Chile ein Side Event zu der Frage „Ist Lateinamerika bereit für Artikel 6?“ durchgeführt. Die mit Unterstützung des BMU umgesetzte Veranstaltung wurde gemeinsam mit Perspectives Climate Group ausgerichtet.

Marlen Goerlen von der GIZ Chile eröffnete das Event mit einer Beschreibung der laufenden Zusammenarbeit der GIZ mit Chile im Rahmen des Projekts „Globaler Kohlenstoffmarkt“. Ziel der Initiative ist der Kapazitätsaufbau sowie die stärkere Einbindung des Privatsektors und der breiteren Öffentlichkeit um so den Aufbau von Kohlenstoffmärkten in unterschiedlichen Ländern weltweit voranzutreiben.

Igor Shishlov von der Perspectives Climate Group moderierte die Veranstaltung und eröffnete die Diskussion mit einer allgemeinen Übersicht der lateinamerikanischen Erfahrung mit internationalen und nationalen Kohlenstoffmärkten. Trotz einiger Gemeinsamkeiten zwischen den unter Artikel 6 angelegten Instrumenten und den Mechanismen des Kyoto-Protokolls CDM und JI werden die neuen Mechanismen unter gänzlich anderen Rahmenbedingungen zur Anwendung kommen. Hervorzuheben ist hier insbesondere die Tatsache dass alle Vertragsstaaten ihre eigenen NDCs erfüllen müssen und dass diese aufgrund ihrer unterschiedlichen Eigenschaften nur schwer vergleichbar sind. Herr Shishlow gab einen kurzen Überblick über die Erfahrungen der Region mit dem freiwilligen und dem verpflichtenden Kohlenstoffmarkt sowie den jüngsten Entwicklungen bei der Einführung nationaler Marktinstrumente. Er führte auch kurz ein in die laufenden Kohlenstoffmarktinitiativen der Region, die Arbeitsgruppe zu Klima und Umwelt der Pacific Alliance und die Carbon Pricing in the Americas Initiative, die einen regionalen Kohlenstoffmarkt durch Harmonisierung der nationalen MRV-Systeme anstrebt. Bereits laufende Pilotaktivitäten, die Erkenntnisse über die Umsetzung der Mechanismen liefern können, wurden ebenfalls vorgestellt. Herr Shishlov beendete seinen Vortrag mit einigen Erwägungen, die seiner Meinung nach bei der Umsetzung von Artikel 6 berücksichtigt werden sollten. So sollten zur Sicherstellung der Umweltintegrität die Prinzipien der Zusätzlichkeit und die Methoden zur Baselineermittlung aus dem CDM übernommen werden. Auch sollten Anreize zum Aufbau robuster MRV-Systeme gesetzt werden, während der Eintritt von heißer Luft durch unambitionierte NDCs verhindert werden sollte. Zur Sicherung der ökonomischen Effizienz der Mechanismen müssen Länder eine intelligente Strategie für die Veräußerung von ITMOs entwickeln. So können bestimmte Projekte für die eigene NDC-Erfüllung vorbehalten werden, während Marktmechanismen für die Umsetzung von komplexeren und teureren Minderungen kosteneffektiv eingesetzt werden können. 

Julio Cordano, Leiter der Abteilung Klimawandel und Nachhaltige Entwicklung im chilenischen Außenministerium stellte den Teilnehmern seine Einschätzung zum Stand der Artikel 6-Verhandlungen vor. Dabei betonte er die Herausforderung, die Mechanismen so zu operationalisieren, dass diese zur Steigerung der Ambition und der NDC-Umsetzung beitragen. Die Mechanismen werden auch neue Umsetzungsformen ermöglichen, die über die vom Kyoto-Protokoll bekannte Projekte und Programme hinausgehen, darunter die Verknüpfung von Emissionshandelssystemen und direkte Transaktionen zwischen Emissionsbudgets oder Carbon Clubs. Herr Cordano empfahl den Ländern der Region auch, die Logik des Kyoto-Protokolls hinter sich zu lassen: Anstatt sich als reine Verkäufer von Minderungen an Industriestaaten zu sehen sollten sie das Potenzial marktbasierter Süd-Süd-Kooperationen sowie die Nutzung von Märkten zur Erfüllung der eigenen Verpflichtungen stärker in Betracht ziehen. Eine Schlüsselherausforderung stellt die Etablierung und Harmonisierung von MRV-Systemen dar, ein Bereich, in dem der regionale Austausch bereits begonnen hat. Die Übersetzung von NDCs in Emissionsbudget könnte für die Länder eine Chance darstellten, ihre Readiness zu erhöhen und die Transparenzvorgaben zu erfüllen. Herr Cordano berichtete weiterhin vom derzeitigen Stand des chilenisch-kanadischen Kooperationsprojekt im Abfallsektor. Ziel des derzeit laufenden Projekts ist es, die erzielten Emissionsreduktionen so zu messen, dass diese in ITMOs überführt werden können. Die hierbei gemachten Erfahrungen sollen die Kapazitäten der beteiligten Länder stärken und einen Beitrag zur Operationalisierung der Artikel 6-Mechanismen leisten.

Juan Pedro Searle, Leiter der Abteilung Klimaschutz im chilenischen Energieministerium, skizzierte Chiles derzeitige Arbeiten im Rahmen der Partnership for Market Readiness (PMR). Das Projekt „precio al carbono Chile“ (CO2-Bepreisung Chile) verfolgt das Ziel, mithilfe der Einführung von Carbon Pricing Instrumenten die geplante Diversifizierung des Energiesystems und die Umsetzung der Klimaschutzziele zusammenzubringen. Die erste Phase des PMR-Programms wurde bereits fertiggestellt und es wurde eine CO2-Steuerpaket eingeführt. Die Ziele der zweiten Phase sind die Auswertung der Optionen zur Stärkung der bestehenden Instrumente durch die Ausweitung der Reichweite der Steuer, die Verknüpfung der CO2-Steuer mit einer Offsetkomponente oder die Einführung eines nationalen ETS. Auch das Monitoring, die Berichterstattung und Verifizierung soll gestärkt werden, unter anderem durch den Aufbau einer virtuellen Plattform für Minderungsmaßnahmen im Energiesektor. Herr Searle skizzierte auch weitere bereits laufende Aktivitäten, die Chile auf Artikel 6 vorbereiten sollen. Dies umfasst ein Pilotprojekt der Weltbank zur Generierung von ITMOs mithilfe der Blockchain-Technologie, ein Projekte mit der schwedischen Energieagentur zur Schaffung virtueller ITMOs durch einen Minderungsplan sowie die Entwicklung eines NDC-Investitionsplans.

Christian Patrickson, Managing Director und Gründer des Beratungsunternehmens StratCarbon Ltda sowie Berater des Verbands für Produktion und Handel in Chile präsentierte die Sicht des Privatsektors. Er hob zwei Grundvoraussetzung hervor, die für eine Beteiligung des Privatsektors in Klimaschutzmaßnahmen erfüllt sein müssen: So muss zum einen Wirtschaftswachstum mit den Zielen des Paris Agreement in Einklang gebracht werden und zweitens die Finanzierung für dieses Wirtschaftswachstum sichergestellt werden, möglicherweise auch durch Artikel 6.8. Herr Patrickson betonte, dass dieses Thema von besonderer Bedeutung für Entwicklungsländer sei, die gemeinsam für 40 Prozent der globalen Emissionen verantwortlich sind und daher angemessene Finanzmittel für ein klimaschonendes Wachstum benötigten. In erster Linie benötige der Privatsektor Planbarkeit und Transparenz. Dies bedeutet, dass NDCs in sektorale Ziele übertragen werden müssen und Baselines für Sektoren und Industriezweige festgelegt werden sollten. Darüber hinaus sollte eine starker CO2-Preis etabliert werden, um klimakompatible Investitionen wirtschaftlich zu machen. Zudem wird die öffentliche Politik Nachfrage schaffen und dem Privatsektor zugleich den Handel mit Emissionsreduktionen ermöglichen sowie Zugang zu internationalen Märkten verschaffen müssen.

In der daran anschließenden Debatte diskutierten Teilnehmer und Podiumsmitglieder, wie eine intelligente Beteiligung von Entwicklungsländern unter Artikel 6 aussehen könnte und betonten dabei das Potenzial zur Ambitionssteigerung sowie den möglichen Beitrag zum Linking nationaler Kohlenstoffmärkte. Dabei wurde auch deutlich gemacht, dass die Regierungen eine zentrale Rolle dabei spielen werden, Anreize für die Beteiligung des Privatsektors zu setzen. Auch die Rolle von Artikel 6.8 als Ergänzung der Marktmechanismen war Gegenstand der Diskussion.

Globaler Kohlenstoffmarkt

Das Side Event auf dem Latin American and Caribbean Forum zu der Frage: „Ist Lateinamerika bereit für Artikel 6?“, wurde im Rahmen der Initiative "Globaler Kohlenstoffmarkt" durchgeführt. Mehr

Downloads

Igor Shishlov (Perspectives Climate Group): Está lista America Latina para el Art. 6

Julio Cordano (Chilenisches Außenministerium): Mecanismos de mercados en América La0na bajo el Acuerdo de París

Juan Pedro Searle Solar (Chilenisches Energieministerium): Está América Latina Lista Para el Artículo 6

Christian A. Patrickson C. (StratCarbon): Perspectivas del Sector Privado sobre el Art. 6 del Acuerdo de París

 

Hinweis: Die Präsentationen sind nur in spanischer Sprache erhältlich.