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Grundlagen der Kohlenstoffmärkte

Solar panels
(Photo: Beyond Zero Emission/flickr.com)

Kohlenstoffmärkte entstehen, wenn marktbasierte Klimaschutzinstrumente ihre Wirkung entfalten und Kohlenstoffzertifikate gehandelt werden. Marktbasierte Klimaschutzinstrumente belegen den Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen mit Kosten und tragen somit dazu bei, Klimaschutz effizient umzusetzen. Grundsätzlich lassen sich zwei unterschiedliche Instrumente unterscheiden, die zur Schaffung von Kohlenstoffmärkten führen: Emissionshandelssysteme und Crediting-Systeme.

Ein Emissionshandelssystem (cap and trade-system) setzt eine Obergrenze, ein sogenanntes „cap“, für die zu regulierenden Treibhausgasemissionen fest. Innerhalb des regulierten Bereichs wird nur eine begrenzte Menge an Verschmutzungsrechten („allowances“) ausgestellt; so viele, dass das gesteckte Minderungsziel gerade erreicht wird. Jeder Teilnehmer des Emissionshandelssystems muss für jede emittierte Tonne CO2e ein Verschmutzungsrecht, also eine allowance, vorweisen. Diese Verschmutzungsrechte können frei gehandelt werden. Dies erlaubt es den Teilnehmern, zusätzliche Verschmutzungsrechte zu kaufen, oder, wenn sie erfolgreich Klimaschutzmaßnahmen durchgeführt haben, überschüssige allowances zu verkaufen. So entwickelt sich ein einheitlicher CO2-Preis. Dieser Preis erfüllt eine wichtige Signalfunktion. Die Höhe des Preises hängt im Wesentlichen davon ab, wie ambitioniert die Obergrenze des Emissionshandelssystems festgesetzt ist und wie teuer Klimaschutzmaßnahmen in der Umsetzung sind.

Emissionshandelssysteme können auf unterschiedlichen Ebenen (international, national, subnational) aufgesetzt werden und je nach Design Unternehmen oder aber auch Regierungen als Teilnehmer haben. Das Europäische Emissionshandelssystem (EU-ETS) ist ein Beispiel für ein regionales Emissionshandelssystem, das die Emissionen von Unternehmen reguliert. Mit dem Kyoto-Protokoll wurde ein internationales Emissionshandelssystem geschaffen, das nationale Regierungen am Handel beteiligt: Es legt eine gemeinsame Emissionsobergrenze sowie individuelle Ziele für die in Annex-B des Kyoto-Protokolls gelisteten Staaten fest und ermöglicht den direkten Handel zwischen diesen.

Ein Crediting-Mechanismus (baseline-and-credit-system) – zu Deutsch etwa Gutschriftensystem – ermöglicht die Vergütung von Emissionseinsparungen. In einem solchen Mechanismus werden handelbare Zertifikate für tatsächlich erreichte Emissionsminderungen ausgegeben. Sie werden ausgestellt, wenn es gelingt, nachweislich die tatsächlichen Emissionen unter einen zuvor festgelegten Referenzwert (baseline) zu senken. Ein Crediting-Mechanismus kann entweder auf einzelnen Klimaschutzprojekten und –programmen aufbauen oder für ganze Sektoren und Wirtschaftsbereiche ausgestaltet werden.

Die Teilnahme an einem Crediting-Mechanismus ist freiwillig. Die Nachfrage nach den erzeugten Zertifikaten muss daher an anderer Stelle geschaffen werden. Dies kann zum Beispiel dadurch entstehen, dass die Zertifikate aus dem Crediting-Mechanismus innerhalb eines Emissionshandelssystems anrechenbar sind. Ein Beispiel für einen Crediting-Mechanismus, dessen Zertifikate in einem Emissionshandelssystem nutzbar sind, ist der unter dem Kyoto-Protokoll etablierte Clean Development Mechanism (CDM): Zertifikate von Klimaschutzmaßnahmen, die unter dem CDM durchgeführt wurden, können von Unternehmen genutzt werden, um einen Teil ihrer Klimaschutzverpflichtungen unter dem EU-ETS zu erfüllen. Eine weitere Nachfragequelle nach Minderungszertifikaten besteht in Form des sogenannten freiwilligen Markts. Hier nutzen Einzelpersonen sowie Unternehmen und öffentliche Einrichtungen Crediting-Mechanismen, um ihre Treibhausgasemissionen freiwillig zu kompensieren.