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Polen

Versorgung der Stadt Stargard mit Erdwärme

Rohrleitungen
(Photo: RWE)

Projektaktivität

Erneuerbare Energien spielen in Polen nach wie vor eine untergeordnete Rolle, während Kohle weiterhin die bedeutendste Primärenergiequelle darstellt. Dies hat hohe CO2-Emissionen für das osteuropäische Land zur Folge und stellt eine große Belastung für Umwelt und Bevölkerung dar.

Ziel des Projektes "Stargard Geothermal District Heating Project", welches im Rahmen von Joint Implementation durchgeführten wird, ist die Reduktion der polnischen CO2-Emissionen durch die Nutzung von Erdwärme. Das Projektvorhaben sieht die Errichtung eines Erdwärmeheizwerks mit einer Leistung von 14 MWt in der Nähe der polnischen Stadt Stargard in Westpommern vor. Die hier aus Geothermie gewonnene Wärmeenergie wird in das bereits bestehende Fernwärmenetz eingespeist und ersetzt 36% der Wärme, die bisher ausschließlich durch ein CO2-intensives Kohleheizwerk bereitgestellt wurde. Hierfür wurden unweit des bestehenden Kohleheizwerks zwei Anlagen installiert: Ein unterirdisches Werk, welches die Erdwärme aus 2,672 Metern Tiefe fördert, und ein Gebäude, in dem sich die Wärmetauscher sowie die elektrische Ausrüstung und die Steuerungselemente befinden.

Neben der Reduktion von CO2-Emissionen werden mit dem Vorhaben auch weitere positive Effekte erzielt, von denen sowohl die Umwelt als auch die lokale Bevölkerung profitieren: So kann durch die geringere Kohleverbrennung die Luftqualität in der Region verbessert werden, indem die Konzentration von Schwefeldioxid, Feinstaub und Stickoxiden reduziert wird. Zudem wird die bisher durch die Lagerung und den Transport der Kohle sowie durch die Aschebeseitigung verursachte Umweltbelastung deutlich verringert.

Bisherige Situation und zu erwartende Emissionsminderung

Die Stadt Stargard verfügt derzeit über ein gut funktionierendes Fernwärmesystem, mit dem über 60% der Wärmebedürfnisse der Stadt gedeckt werden und das die Bewohner sowohl mit Heizungswärme als auch mit Warmwasser versorgt. Die gesamte Wärmeenergie wird bisher in einem Kohleheizwerk erzeugt, das über eine Leistung von 116 MWt verfügt. Damit besitzen die installierten Heizkessel über genügend Leistung, um auch in näherer Zukunft die Energienachfrage zu decken, weswegen weder Stilllegungen der bestehender Anlagen noch baldige Kapazitätserweiterungen zu erwarten sind. Vielmehr ist ein Weiterbetrieb des bestehenden Kohleheizwerks anzunehmen, da dies die kostengünstigste Variante darstellt. Alternative Technologien wie das Heizen mit Biomasse oder die Nutzung der Kraft-Wärme-Kopplung besitzen hingegen kaum eine Chance auf Realisierung. Wird das Kohleheizwerk weiterbetrieben, so ist auch in Zukunft mit jährlichen CO2-Emissionen von ca. 106,204 tCO2e zu rechnen. Dem stehen die Emissionen bei der Projektdurchführung gegenüber, die sich voraussichtlich auf 69.967 tCO2e pro Jahr belaufen und bei denen der CO2-Ausstoß durch den Betrieb der elektrischen Pumpe, mit deren Hilfe die Erdwärme gewonnen wird, bereits eingerechnet ist. Das Projekt erzielt somit voraussichtlich CO2-Einsparungen von 36.237 tCO2e im Jahr.

Überprüfung der Emissionsminderungen

Um sicherzustellen, dass die erwarteten Emissionen auch tatsächlich eingespart werden, müssen über die gesamte Projektlaufzeit diverse Faktoren überwacht werden. Besonders bedeutend ist dabei die in das Fernwärmenetz eingespeisten Erdwärme, da sich aus ihr die eingesparte Menge an Kohle ermitteln lässt. Weiterhin muss der Strom- und Kohleverbrauch der Anlage überwacht werden, die in die Berechnung der Emissionseinsparungen mit einfließen.

Stand der Projektumsetzung

Nach der positiven Prüfung des Projekts durch das Unternehmen Det Norske Veritas Anfang 2005 erhielt das Unternehmen Geothermia Stargard im Oktober des gleichen Jahres die Zustimmung des Gastgeberstaates Polen. Im Februar 2010 genehmigte die Deutsche Emissionshandelsstelle der RWE Power AG die Beteiligung am Projekt.

RWE Power ist an diesem Projekt über den Prototype Carbon Fund mit einem Anteil i.H.v. 2,78 % beteiligt. Dieser Fonds, welcher Emissionsminderungsprojekte durchführt, wurde 1999 von der Weltbank entwickelt. Die Finanzierung erfolgt durch 17 privatwirtschaftliche Unternehmen sowie 6 nationale Regierungen. Nach der Realisierung der Projekte werden die erwirtschafteten Zertifikate anteilsmäßig auf die Investoren verteilt. Der Lebenszyklus des Projekts wurde auf fünf Jahre festgesetzt und endete am 31. Dezember 2012. In diesem Zeitraum hat das Stargard Geothermieprojekt nachweisbar über 181 tCO2e reduziert, was jährlichen Emissionsminderungen von 36 tCO2e entspricht.

Projektart:

Joint Implementation

Projektpartner:

Polen: Geothermia Stargard
Deutschland: RWE Power AG

Kategorie:

Erneuerbare Energien

Projektstandort:

Stargard Szczeciński, Polen

Projektlaufzeit:

5 Jahre
01.01.2008 - 31.12.2012

Zertifizierte Emissionsminderungen:

181.185 tCO2e

Projektstatus:

registriert und umgesetzt

Kontaktinformationen:

Bodo Einicke
RWE Power AG
Huyssenallee 2
45128 Essen
Tel.: +49 201 12-28 195
E-Mail: Bodo.Einicke@rwe.com