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CTI-Workshop diskutiert Klimaschutz in der internationalen Zivilluftfahrt unter CORSIA

(Photo: adelphi/Thomas Ecke)
(Photo: Thomas Ecke / adelphi)

Juli 2017 - Am 29. und 30. Juni 2017 trafen sich mehr als 70 Experten zum 17. Climate Technology Initiative (CTI) Workshop in Berlin, um über Klimaschutz in der Zivilluftfahrt zu diskutieren. Der vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) organisierte Workshop bot eine Plattform zum Austausch für Politik- und Luftfahrtexperten, Entscheidungsträgern, Wissenschaftlern und Vertretern von Finanzinstituten aus den Bereichen Klimaschutz und Luftfahrt.

Das diesjährige CTI-Workshop-Thema "Klimaschutz in der internationalen Zivilluftfahrt: Herausforderungen und Chancen für den neuen globalen marktbasierten Ansatz CORSIA" griff die Dynamik des entsprechenden Beschlusses im Oktober 2016 durch die Internationale Zivilluftfahrt-Organisation ICAO auf. Der Workshop befasste sich insbesondere mit den Bestimmungen der Resolution für diesen neuen globalen marktbasierten Ansatz. Das "Carbon Offsetting and Reduction Scheme for International Aviation“ (CORSIA) soll zum Ziel des Sektors, ab dem Jahr 2020 CO2-neutral zu wachsen, beitragen. Der Workshop befasste sich mit diversen Themen: von den allgemeinen Anforderungen an CORSIA und Aspekten zu Monitoring, Reporting und Verifizierung (MRV), über die Eignung und Umweltwirksamkeit unterschiedlicher Offsetstandards bis hin zur Interaktion zwischen CORSIA, dem Pariser Abkommen und dem Europäischen Emissionshandelssystem. Aus einer praxisorientierten Perspektive beleuchtete der Workshop auch die Sichtweise der Luftfahrtbranche, die potenziellen Auswirkungen von CORSIA auf das globale Angebot und die Nachfrage von CO2-Emissionsgutschriften sowie die erwarteten Anforderungen an Vermittlung von neuen Kompetenzen und Wissen.

Eine der Haupterkenntnisse der Veranstaltung war, dass CORSIA ein erhebliches Potenzial für künftige Klimaschutzmaßnahmen im Zivilluftfahrtsektor birgt. Zugleich wurde deutlich, dass die Rolle von Umweltwirksamkeit, zu beschließenden Standards und des Ambitionsgrades bei der Einführung von CORSIA nicht unterschätzt werden darf.

Nachhaltigkeit in der Zivilluftfahrt

Am ersten Tag des Workshops begrüßte Berthold Goeke, stellvertretender Generaldirektor für Klimaschutzpolitik, alle Teilnehmer im Namen des BMUB. Im Anschluss eröffnete Jane Hupe, Direktorin des Umweltprogramms von ICAO, die erste Session des Workshops. Sie betonte, dass 2016 ein sehr bedeutendes Jahr war, als die "Zivilluftfahrt die Seite zur Nachhaltigkeit aufschlug". Sie erläuterte den Hintergrund von CORSIA und lud alle Workshop-Teilnehmer ein, sich gemeinsam für die "Vision einer nachhaltigen Luftfahrt" einzusetzen. Ein weiterer Panelteilnehmer, vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, bot einen wissenschaftlichen Überblick und erläuterte unter Anderem, dass etwa 5% der anthropogenen Erderwärmung durch die Luftfahrt verursacht wird, darunter sowohl direkte Treibhausgasemissionen also auch indirekte Klimaeffekte.

Es folgte ein detaillierter Vortrag zu den allgemeinen Anforderungen an CORSIA. Nach weiteren Präsentationen zu potenziellen Registry-Architekturen für CORSIA und den Herausforderungen hinsichtlich Monitoring, Reporting und Verifizierung diskutierten die Teilnehmer, wie eine Kooperation aller Beteiligten sowie eine aussagekräftige und kontinuierliche Sicherung der Datenqualität erreicht werden könnte. Darüber hinaus tauschten Referenten und Panelteilnehmer Ansichten über die Zusätzlichkeit von Klimaschutzprojekten und die mögliche Rolle von REDD+ unter CORSIA aus. Die Rolle von REDD+ wurde von Vertretern des BMUB, der International Emissions Trading Association und des Environmental Defense Fund diskutiert.

Der erste Tag endete mit einer Session, in der Vertreter der Luftfahrtindustrie ihre Ansichten äußern konnten. Es wurde darauf hingewiesen, dass mehr als 50% des globalen Reiseverkehrs auf die Luftfahrt entfallen, die Luftfahrt jedoch eine Voraussetzung für den modernen Welthandel sei. Dabei haben die Referenten anerkannt, dass Maßnahmen zur Eindämmung der Treibhausgasemissionen des Sektors zwingend erforderlich sind. Die international vereinbarten Klimaschutzziele könnten ohne CO2-Offsetting jedoch nicht erreicht werden. Rückblickend auf bereits realisierte Klimaschutzmaßnahmen in diesem Sektor wurde auf die Bedeutung freiwillige Maßnahmen hingewiesen, auch angesichts der zunehmenden Bereitschaft der Kunden des Luftverkehrssektors, für die Kompensation der Klimaauswirkungen zu zahlen.

CORSIA und das Pariser Abkommen

Der zweite Tag des Workshops begann mit einer Session über die Verknüpfung des Paris Agreement (PA) und CORSIA. Die Referenten diskutierten über Möglichkeiten zur Integration beider Instrumente und nahmen die Aspekte im PA zu Umweltwirksamkeit sowie seine Bestimmungen für kooperative Ansätze in Artikel 6.2. genauer in Augenschein. Sie stimmten darin überein, dass Austausch und Kooperation zwischen beiden Mechanismen entscheidend seien - sowohl für den Erfolg von CORSIA als auch für die Sicherstellung ambitionierten Klimaschutzes im Rahmen des PA.

Diese Erkenntnisse spiegelten sich zum Teil in der nächsten Session wieder, die sich mit der Frage beschäftigte, wie CORSIA das globale Angebot von und die Nachfrage nach CO2-Offsets beeinflussen wird. Die Referenten stimmten darin überein, dass es zur Abschätzung der Entwicklung von CO2-Märkten nach 2020 wichtig sei zu verstehen, wie CORSIA und das PA diese Märkte in Zukunft mitgestalten werden. Als aktuelle Risiken wurden dabei Unsicherheit bezüglich der Umsetzung des PA, politische Untätigkeit und Mangel an Anreizen und Ambition gesehen.

Vorbereitungen für den Start

In der letzten Session diskutierten Vertreter von öffentlichen und privaten Politik- und Finanzierungsinstitutionen darüber, was für den erfolgreichen Start von CORSIA ihrer Ansicht nach benötigt wird. Sie diskutierten über die Rolle der regionalen ICAO-Seminare zur Vermittlung neuer Kompetenzen und Wissen als Starthilfe für eine erfolgreiche CORSIA-Pilotphase, und wiesen insbesondere auf den Bedarf in Schwellen- und Entwicklungsländern hin. Die Referenten und Panelteilnehmer waren sich darin einig, dass Maßnahmen zum Klimaschutz im Luftverkehrssektor bereits jetzt ergriffen werden sollen.

Zum Abschluss des 17. CTI-Workshops bedankten sich Vertreter von ICAO und BMUB bei allen Teilnehmern für ihre wertvollen Beiträge und wünschten sich einen fortdauernden vertrauensvollen Dialog zu dem Thema.

Präsentationen

Donnerstag, 29. Juni 2017

CORSIA scheme: History, Background, Main Provisions, Roadmap (ICAO Secretariat)

Why emissions from civil aviation matter: Climate Impact of Aviation (TU Delft, ECATS)

Introduction to General Requirements for CORSIA (ICAO Secretariat)

Options for the CORSIA Registry System (DEHSt)

Challenges for airlines in MRV of emissions under CORSIA (Arthur Pelchen)

Eligibility Criteria in CORSIA: 4 W's (DG Climate Action)

Quality of units and double counting: What matters for CORSIA? (Lambert Schneider)

Challenges and Opportunities for the New Global Market-Based Measure CORSIA (VCS)

Introducing the REDD+ standard (Federal Ministry for the Environment)

REDD+ Considerations and wins for ICAO's CORSIA (IETA)

REDD+ and CORSIA: Big demand, big potential, big need for environmental integrity (EDF)

CORSIA - Challanges and Opportunities. Airlines taking action (Lufthansa Group)

Taking action -as well- on the voluntary market (myclimate)

 

Freitag, 30. Juni 2017

Linkages between CORSIA and the Paris Agreement (DEHSt)

How could the UNFCCC process contribute to CORSIA's success (UNFCCC)

Features and implications of NDCs for carbon markets (ClimateFocus)

EU ETS and civil aviation (BMUB)

CORSIA: Quantification of the Offset Demand (Öko-Institut e.V.)

CDM supply potential up to 2020 - Climate impact of CORSIA's CER demand (NewClimate Institute)

Potential supply of non-CDM, non-Article 6 offsets (firstclimate)

Carbon pricing strategies for aviation (Transport & Environment)

ICAO CORSIA Regional Seminars and Capacity Building (DEHSt)

The World Bank and aviation - A capacity building initiative (World Bank Group)