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Weiterentwicklung von Marktmechanismen nimmt Fahrt auf

(Photo: adelphi)

Juni 2016 - Das Paris-Abkommen hat einen neuen Rahmen für den internationalen Kohlenstoffmarkt gesetzt: Das Ziel der nachhaltigen Entwicklung soll stärker als im Kyoto-Protokoll gefördert und die klimapolitischen Anstrengungen der Vertragsparteien des Abkommens gesteigert werden. Jedoch gilt es, bis zum Inkrafttreten des Paris-Abkommens noch einige anspruchsvolle Aufgaben zu bewältigen, auch im Bereich der Marktmechanismen.

Vor diesem Hintergrund war die Carbon Expo 2016 ein herausragender Meilenstein auf dem Weg zur Implementierung des Paris-Abkommens. Internationale Regierungsvertreter aus Industrie- und Schwellenländern sowie Vertreter aus Forschung, Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft aus aller Welt kamen vom 25. bis 27. Mai 2016 in Köln zusammen, um sich in Podiumsdiskussionen, Side Events und im Rahmen einer Fachmesse über aktuelle Trends, neue Technologien, innovative Projekte und Services des globalen Kohlenstoffmarkts auszutauschen.

Pronold: Paris-Abkommen hat gutes Signal für die Privatwirtschaft gesetzt

„Die diesjährige ‚Carbon Expo‘ findet in einer Zeit des Aufbruchs der internationalen Klimapolitik statt", sagte Florian Pronold, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesumweltministerium in seiner Eröffnungsrede, und wies auf das große Potenzial der Unternehmen für den Klimaschutz hin: „Das Paris Abkommen hat auch ein gutes Signal für die Privatwirtschaft gesetzt.“ Pronold betonte, in Unternehmen stecke enormes technisches und wirtschaftliches Potenzial, das über Mechanismen des Kohlenstoffmarktes aktiviert werden kann.

Die Carbon Expo bewährt sich seit Jahren immer wieder als Plattform für den Austausch wichtiger Akteure im Kohlenstoffmarkt, nicht zuletzt aufgrund des breiten Spektrums an Veranstaltungsformaten. Wichtige Bausteine dieses Spektrums waren die vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) sowie von der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt) organisierten Side Events.

Side Events zu Verknüpfung von EHS und Nachhaltigkeit in den Marktmechanismen

Im Fokus der ersten Podiumsdiskussion – gemeinsam organisiert durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und die International Carbon Action Partnership (ICAP) – standen Fragen der Steuerung und Aussichten für die Verknüpfung von Emissionshandelssystemen (EHS). Die Panelisten zeigten sich zuversichtlich, weil das Paris-Abkommen einen starken Anker für die Verlinkung von EHS biete. Wichtig sei nun, die Standardisierung bzw. Zentralisierung in den verknüpften EHS voranzutreiben, um eine gemeinschaftliche Steuerung von multilateralen Systemen zu erleichtern. Dennoch bleibe ein langer Weg zu gehen, weil Unwägbarkeiten der Verhandlungen um die Verknüpfung von EHS schwer zu kalkulieren seien, waren sich die Teilnehmenden einig.

Die DEHSt stellte in einem weiteren Side Event das Thema Nachhaltigkeit in den Marktmechanismen zur Diskussion. Grundlage für den Austausch waren die aktuellen Ergebnisse eines Forschungsvorhabens, welches Gelegenheit zur Diskussion mit eingeladenen Panelisten bot.

Gute besuchte Kurzpräsentationen am German Pavilion

Ein weiterer Baustein der Beteiligung Deutschlands an der Carbon Expo 2016 war der „German Pavilion“. Elf Dienstleister und Organisationen, die sich für die Weiterentwicklung und Verknüpfung der internationalen Kohlenstoffmärkte einsetzen, präsentierten sich dem Fachpublikum. Das Besondere in diesem Jahr: In Ergänzung zum Konferenzprogramm und den Side Events der Carbon Expo diskutierten sie in insgesamt 18 Präsentationen und Talkrunden drei Tage lang aktuelle Themen mit zahlreichen  Besuchern der Fachmesse (siehe alle Präsentationen unten). Dabei wurden beispielsweise von der DEHSt in einer Talkrunde die Kompensation der Dienstreiseemissionen des Bundes mit den dafür ausgewählten Offsetprojekten vorgestellt. Außerdem standen die neuen Marktmechanismen nach dem Paris-Abkommen und was in den nächsten Jahren für ihre Operationalisierung geregelt werden muss im Fokus der Diskussion.

Trotz eines dichten Konferenzprogramms freuten sich die Aussteller über gut besuchte Präsentationen im German Pavillon und den Side Events: Perspectives und Climate Focus organisierten gemeinsam verschiedene Veranstaltungen zu innovativen Verbindungen zwischen Marktmechanismen und internationaler Klimafinanzierung, sowie deren Potential für die Förderung nachhaltiger Entwicklung in afrikanischen Gastsstaaten. Die aktiven Diskussionen, auch mit Beteiligung afrikanischer Vertreter, zeigen ein großes Interesse, nach den politischen Entscheidungen in Paris nun zur praktischen Umsetzung von ambitionierten Klimaschutzmaßnahmen voranzuschreiten.

„Klimaschutz stärken und zu neuen Ideen und Taten mobilisieren“

Insgesamt bewerteten die Aussteller die Carbon Expo 2016 als positiv: „Die diesjährige Carbon Expo war für uns als langjähriger Aussteller eine willkommene Gelegenheit nach der COP 21 von Paris, die bestehenden Kontakte zur Fachwelt zu pflegen und neue zu knüpfen“, resümierte Enno Harders, Abteilungsleiter bei der Deut­schen Emis­si­ons­han­dels­stel­le (DEHSt) im Um­welt­bun­des­amt. Die Carbon Expo 2016 sei zudem ein geeigneter Startschuss gewesen, das Projekt „Dienstreisekompensation der Bundesregierung“ mit Verfahren und Methodik vorzustellen, so Harders weiter. „Dieses Projekt soll ein Signal zur Nachahmung mit freiwilligem Offsetting sein. Wir wollen damit den Klimaschutz stärken und zu neuen Ideen und Taten mobilisieren.“

Auch wenn die Entwicklungen etwas langsamer vorangehen würden als erwartet so bilanzierten andere Aussteller, dass „dank des Paris-Abkommens auch die Weiterentwicklung von Marktmechanismen wieder Fahrt aufnimmt“. Einig waren sich die Aussteller des German Pavilion vor allem in ihrem optimistischen Blick auf die kommenden Monate und dem Bestreben, bei der nächsten Carbon Expo wieder dabei zu sein.